Herrenwitze: Wenn Günther den Rainer kommentiert

Jetzt ist sie wieder da. Ganz prominent, in allen Blättern. Und gestern auch zur besten Sendezeit im Ersten: die Sexismus-Debatte. Ausgelöst von einem Porträt des FDP-Politikers Rainer Brüderle im „Stern“. Die Verfasserin schildert darin eine Begegnung an einer Bar, bei der der Politiker anzüglich wurde. „Der Herrenwitz“, so der Titel der Geschichte.

Längst ist die Debatte größer als ihr Anlass. Die Geschichte hat einen Nerv getroffen. Um das zu diskutieren, hat die ARD zum Talk mit Günther Jauch eingeladen und mit Thomas Osterkorn, Chefredakteur des „Stern“, FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, Wibke Bruhns, erste Nachrichtensprecherin im westdeutschen Fernsehen, Autor Hellmuth Karasek und Feministin Alice Schwarzer eine Runde üblicher Verdächtiger zusammengetrommelt. Ein bisschen mehr Kreativität bei der Gästeauswahl hätte der ARD schon gut zu Gesicht gestanden, aber sei`s drum.

Einzig Anne Wizorek, die den Twitter-Hashtag #Aufschrei initiierte, konnte frischen Wind in die Runde und die Debatte bringen. Zehntausende Frauen haben seit ihrem Aufruf bei dem Kurznachrichtendienst Erfahrungen mit Sexismus gepostet. Das alles spricht für sich. Und selbst Helmut Karasek muss zugeben: An der Sache sei scheinbar irgendwie was dran. Guten Morgen Herr Karasek, schön, dass Sie`s auch schon gemerkt haben.

Interessant: Wibke Bruhns findet, das alles sei doch gar nicht schlimm. Ungelenk vergleicht sie noch Männer mit Stieren. Auch das spricht für sich. Doch hinter dieser koketten Fassade kann sie die Frau, die sich nicht unbeliebt machen will in der Männerwelt, nicht verstecken. Immerhin wurde ihr doch ein prominenter Platz zuerkannt. Da zeigt sich die Angst, nicht mehr attraktiv zu sein, wenn man sich in ein feministisches Gewand hüllt. Damit wird Frau Bruhns ungewollt zu einer treffenden Illustration einer Frauen-Generation.

Thomas Osterkorn erklärt, dass der Stern nie vorhatte, eine Geschichte über Sexismus zu publizieren, sondern ein Porträt über einen Politiker. Er kann glaubhaft machen, dass auch das Magazin vom losgetretenen Sturm überrascht wurde.

Indes, Günther Jauch nimmt das Thema von Anfang an nicht ernst. Sein manchmal jungenhafter Charme wird hier zu einer quengligen Lausbubenart. Einzig sinnvolle Nachfrage: Als er Osterkorn darauf hinweist, es sei fragwürdig, wenn man einerseits das Banner der Sexismus-Debatte vor sich hertrage und doch bei jedem Gesundheitstitel mit einem nackten Frauenkörper aufmache.

Herr Osterkorn, darüber kann man wirklich einmal nachdenken.

Doch Jauch ist insgesamt tapsig, entzieht der Sendung mit Wortklauberei ständig den Boden. Mit seiner Einladung an die Bar am Ende der Talkrunde meint er wohl komisch zu sein und merkt nicht einmal, wie er sein eigenes Format ad absurdum führt. Wie lange sich die ARD diesen Ententanz noch leisten kann, ist fraglich.

Der #Aufschrei bei Twitter: https://twitter.com/search?q=%23aufschrei&src=hash

One comment on “Herrenwitze: Wenn Günther den Rainer kommentiert

  1. Ein ganz toller Artikel, die Sendung wurde völlig richtig analysiert, habe ich auch gesehen und mich tierisch über G.Jauch aufgeregt, man müsste solche Kommentare öfters lesen können, werde wieder auf ihrer Seite vorbeischauen,einfach klasse, weiter so, das ist Journalismus, fehlt im Fernsehen. Grüße von Erika!

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