Vernunft und Glaube: Benedikt XVI. tritt zurück

Heute hat Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt bekanntgegeben. Selbst der Vatikan sei von dieser Entscheidung überrascht gewesen. Das sieht Benedikt wahrhaft ähnlich.

Ich bin nicht katholisch. Glaube ich an Gott? Die Gretchenfrage stelle ich lieber zurück. Doch dieser Papst hat mich beeindruckt. Aus seinen Augen sprach stets ein sehr kühler, wacher Geist. Bei seinem letzten Deutschlandbesuch im Herbst vor zwei Jahren habe ich ihn erlebt. Zwar nur millimetergroß. Doch da war was.

In Deutschland, seiner Heimat, hatte er keinen leichten Stand, wurde streng beobachtet, viel kritisiert. Das ist, denke ich, vielleicht ganz richtig. Und irgendwie auch Ausdruck der deutschen Seele, die selbst zerrissen ist. Benedikt hat das ausgehalten und sich jeder kritischen Frage gestellt. Das verdient Respekt. Dafür zolle ich ihm Respekt.

Stets hat er den Widerstreit von Vernunft und Glauben in den Mittelpunkt seiner Predigten gestellt. Kritisch nach der Rolle der Wissenschaft gefragt. Und gefragt, welchen Platz sie in der Welt für Gott übriglässt. Er nahm einen eher traditionellen Standpunkt ein und wurde dafür als gestrig kritisiert. Doch ist das nicht der konsequente Weg für einen, der sieht, dass sein Glaube, seine Kirche den Boden verliert? Er war immer konsequent. Und mit klarem Ziel vor Augen. Und ganz im Dienst seiner Kirche und seiner Sache. Dieser so völlig uneitle Mensch hat heute seinen Rücktritt bekanntgegeben. Allein das ist eine wahrhaft große Geste, die dieser, unserer Welt recht guttut. Denn kreisen wir nicht alle sehr um uns selbst?

Er, der stets für den Glauben als Kraft und Quelle und Inspiration mehr Boden schaffen wollte und stattdessen radikale Verweltlichung und Vernunft kritisch hinterfragte. Dieser Mensch hat heute eine Entscheidung getroffen, aus der durch und durch die Vernunft spricht. Er könne aufgrund seines Alters und der Gesundheit, der Kirche nicht mehr vollkommen dienen.

Sein Vorgänger, Johannes Paul II., hat sich anders entschieden, das Amt als Berufung bis zum Tod begriffen. Für diesen Prozess des öffentlichen Sterbens verdient er Respekt. Dafür zolle ich ihm meinen  Respekt. Denn er hat gezeigt, dass Tod, dass Sterben dazugehören – und zwar in die Mitte der Gesellschaft. Das vergessen wir nur allzu gern. Gewissermaßen, so meine ich, hat er das als seinen Weg begriffen. Benedikt hat einen anderen. Und ich bin überzeugt davon, dass er ihn glasklar vor Augen hat. Allein mit diesem Schritt hat er den Widerstreit von Vernunft und Glauben ein ganzes Stück beantwortet.

One comment on “Vernunft und Glaube: Benedikt XVI. tritt zurück

  1. Hallo, das ist für diesen blog viel zu schade, ist so gut, müßte eienr breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. LG

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